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Archäologische Ausgrabungen
Historische Entdeckungen im Peiner Lindenquartier
Welche historischen Schätze sich im Peiner Untergrund verbergen, zeigen die bisher größten und auch fundreichsten Ausgrabungen im Stadtgebiet: Auf dem Gelände des Lindenquartiers legten Archäologe Thomas Budde und Helfer zwischen 2021 und 2024 Zeugnisse aus jahrtausendealter Siedlungsgeschichte frei.
Neue Erkenntnisse über Stadtgeschichte
Erste überraschende Ergebnisse erlange Budde bereits bei Ausgrabungen in der Bahnhofstraße, wo die südliche Ausfallstraße der Altstadt angeschnitten wurde. Gräben und Stauteiche dienten einst dazu, den Weg besser überwachen zu können – eine bisher gänzlich unbekannte Anlage. Zwei mächtige Stadtgräben im eigentlichen Lindenquartier am Nordrand des Lindenquartiers waren dagegen bereits in Stadtplänen aus dem 18. Jahrhundert verzeichnet, aber bisher nie archäologisch untersucht worden. Während der Bauarbeiten in den Jahren 2021 bis 2023 hoben Budde und sein Team mithilfe mehrerer Bagger beide Gräben aus.
Peiner Stadtbefestigung: Spuren früherer Verteidigungslinien
„Vor allem der Altstadtgraben sollte sich als große Fundgrube erweisen“, berichtet der Archäologe. Dort wurden die bisher umfangreichsten Funde in Peine geborgen, die eine Datierung der Gräben auf das letzte Viertel des 16. Jahrhunderts erlaubten. Der früher gut 14 Meter breite und drei Meter tiefe Altstadtgraben erwies sich als gut ausgebauter Befestigungsgraben, in dem ein regelmäßiges System eingerammter Eichenpfähle aus der Zeit zwischen 1630 und 1643 nachgewiesen wurde.
Die Gröpernvorstadt als Zentrum des Töpfer-Handwerks
Bei Ausgrabungen im Osten, wo einst die Lindenstraße in den Gröpern einmündete, förderten die archäologischen Ausgrabungen Spuren der Peiner Töpfereien zutage. Dort wurde vom späten 13. bis ins 17. Jahrhundert hinein in großem Stil Keramik produziert. Davon zeugen Abfälle wie Keramikscherben, Holzkohle und Brennofenteile. Budde fand aber auch ganze oder noch zusammensetzbare Gefäße wie Töpfe, Grapen (Dreibeintöpfe), Schalen und Pfannen mit Innenglasur, aber auch unglasierte Irdenware in mittelalterlicher Tradition.
Töpferware höchster Qualität und erste Eisenproduktion
„Die eigentliche Überraschung aber stellt der Nachweis von großen Mengen bemalter Irdenware (‚Malhornware‘) sowie reliefverzierter Ofenkacheln (‚Renaissancekacheln‘) in höchster Qualität dar“, erläutert Budde. Die Malhornware ähnele stark Produkten aus bekannten Töpferregionen entlang von Weser und Werra. Außerdem verarbeiteten die Peiner bereits lange vor der Gründung der Walzwerke Eisen, wie ein Platz zeigt, der mit Eisenschlacken gepflastert war.
Bislang unbekannter Friedhof in Peine entdeckt
Die Funde zeigen aber auch Spuren des alltäglichen Lebens früherer Peiner Siedlungsgeschichte: Unter dem heutigen Gebäude am Gröpern 19 fand sich unter anderem ein Gebäudefundament aus dem 16. Jahrhundert, Abfall- und Vorratsgruben sowie neun Brunnen, von denen fünf vollständig ausgegraben wurden. „Großes Interesse weckte vor allem die Entdeckung eines zuvor unbekannten Friedhofs im Zwickel zwischen der Gröpernvorstadt und dem Altstadtgraben“, berichtet Budde. Dort wurden Gräber von Erwachsenen und Kindern aus dem 13. bis 14. Jahrhundert entdeckt.
Besiedlung lange vor Peiner Stadtgründung
Die Datierung dreier Brunnen bis in das Jahr 1222 zeigt, dass das Gelände schon vor der Gründungszeit der Stadt Peine genutzt wurde. Sogar vorgeschichtliche Siedlungsspuren aus der späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit (ca. 900–500 v. Chr.) wurden entdeckt – ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass auf Peiner Boden bereits lange vor der mittelalterlichen Stadtgründung Menschen lebten.
Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.