Fahnenträger in historischen Uniformen ziehen während des Peiner Freischießens über den Marktplatz.
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429. Peiner Freischießen

Tradition, Gemeinschaft und Atmosphäre - Peines fünfte Jahreszeit


Wenn Trommelboes und Herold durch die Stadt ziehen, die Straßen in den Stadtfarben Rot und Grün leuchten, der Aufbau von rund 100 Buden und Fahrgeschäften beginnt und sich sieben Korporationen samt ihrer Spielmannszüge für den großen Aufmarsch vorbereiten, dann steht Peines „fünfte Jahreszeit“ bevor – das Peiner Freischießen. In diesem Jahr wird eines der größten Volksfeste in der Region von Freitag bis Dienstag, 3. bis 7. Juli gefeiert. Das Freischießen ist eine jahrhundertealte Tradition, die Emotionen weckt, jedes Jahr Zehntausende Besucher begeistert und Gemeinschaft lebt. 

Viele Bräuche des Peiner Freischießens sind tief in der Historie der Stadt verwurzelt. Warum das Fest seinen Namen trägt, welche Aufgaben Trommelboes und Herold haben und die Höhepunkte des Programms im Jahr 2026 beim Fest aller Feste in Peine lesen Sie hier: 

Seit wann gibt es das Peiner Freischießen?

Das Peiner Freischießen lässt sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen, die älteste urkundliche Erwähnung findet sich in den Statuten der Stadt von 1597. Der Ursprung reicht wohl noch weiter zurück, lässt sich jedoch nicht genauer bestimmen, da mit dem verheerenden Stadtbrand von 1557 viele Peiner Dokumente vernichtet wurden. 

Wie entstand der Brauch?

Peine war im Mittelalter eine umkämpfte Stadt, darum schlossen sich Bürger in einer Schützenbrüderschaft zur Verteidigung der Stadt zusammen. Beim Freischießen stellten die Schützen ihre Verteidigungsbereitschaft unter Beweis, der beste Schütze wurde zum „König“ gekürt. 

Woher stammt der Name des Freischießens?

Der Bürgerkönig konnte sich einst von seinen Steuern „freischießen“, musste dafür aber das Königsfrühstück bezahlen. Heute erhält der Bürgerkönig mit einem Geldgeschenk der Stadt einen symbolischen Steuererlass. Die Ausrichtung des Königsfrühstücks übernimmt dafür die jeweilige Korporation. 

Wann wird der Bürgerkönig ausgeschossen?

Es gibt zwei Termine für das Schießen um die Würde des Bürgerkönigs auf dem Sundernschießstand in Peine: Am Samstag, 27. Juni 2026, von 13 bis 18 Uhr (Meldeschluss: 17 Uhr) sowie am Sonntag, 28. Juni 2026, von 9 bis 14 Uhr (Meldeschluss: 13 Uhr). Parallel wird auch das traditionelle Silberbarrenschießen ausgetragen.

Welche Aufgaben haben Trommelboes und Herold?

Als es weder Fernsehen noch Tageszeitung gab, geschweige denn das Internet, zogen Bürger-Tambouren (Tambour ist ein alter Begriff für Trommler) als Vorboten des Peiner Freischießens durch die Stadt. Der Name Trommelboes geht auf einen Tambouren mit dem Nachnamen „Boes“ im 19. Jahrhundert zurück, der mit seinem unehrenhaften Verhalten von sich reden machte und entlassen wurde. Waren die Nachfolger des unehrenhaft entlassenen Trommlers noch als „Tambouren“ tätig, bürgerte sich später der Begriff „Trommelboes“ ein. Die Trommelboes begleiten den „Herold“, der die Rolle des Ausrufers übernimmt und die Peiner Bevölkerung in mittelalterlicher Art traditionell auf Freischießen einstimmt.
 

Der Herold und Mitglieder des Peiner Trommelboes präsentieren sich in historischen Uniformen auf dem Peiner Marktplatz

Was bedeutet Korporation?

Das Wort Korporation (Körperschaft) ist abgeleitet vom lateinischen Wort corpus für „Körper“. Diese historische Organisationform entstand im späten Mittelalter und kann als Vorläufer heutiger Vereine betrachtet werden. In Peine gibt es sieben Korporationen, die beim Freischießen aufmarschieren und deren Gründung Jahrhunderte zurückreicht: 

Warum gibt es sieben Korporationen, aber nur fünf Freischießen-Könige?

Unter den sieben Korporationen gibt es drei Bürgerkorporationen (Neues Bürger-Corps, Bürger-Jäger-Corps und Schützengilde), die gemeinsam den Bürgerkönig ausschießen. Daran kann jeder Peiner teilnehmen, auch ohne einer Korporation anzugehören. Die übrigen Korporationen haben ihren eigenen König.

Welche Aufgabe haben die Bürgerschaffer?

Mit der Organisation des Freischießens sind in Peine die Bürgerschaffer (früher: Schützenschaffer) beauftragt – ein verantwortungsvolles Ehrenamt. Zu den Aufgaben gehört unter anderem die Erarbeitung des Standplans, die Sichtung der Bewerbungen hunderter Schausteller, die Koordinierung zahlreicher Termine und die Abstimmung der Freischießen-Pläne mit den Korporationen und der Stadt.

Gibt es auch eine Freischießen-Königin?

Bislang nicht, aber das könnte sich nun ändern: Im Jahr 2026 hat die Schafferrunde den Beschluss gefasst, dass nun auch Frauen an den Schießwettbewerben und Aufmärschen teilnehmen können. Einen eigenen Königstitel für Damen wird es nicht geben – es sollen weiterhin fünf Freischießen-Könige auf dem Marktplatz proklamiert werden. Jede Korporation entscheidet selbst, ob sie eine Freischießen-Königin proklamiert. Als erstes hat der MTV Vater Jahn dafür Anfang 2026 den Weg frei gemacht.

Wann beginnt das Freischießen?

Die offizielle Eröffnung durch den Bürgermeister findet am Sonntag statt, also in diesem Jahr am 5. Juli. Das Programm beginnt schon zwei Tage zuvor, so wird der Festplatz mit 80 bis 90 Buden von Schaustellerbetrieben am Freitag, 3. Juli, um 15 Uhr eröffnet. Seit dem Jahr 1966 bildet ein großes Höhenfeuerwerk in der Abenddämmerung das Highlight.

Wann finden die Königsbälle statt?

Auch nach dem Freischießen wird die Tradition weiter gefeiert: Im Herbst laden die Korporationen zu ihren Königsbällen ein. Die Termine für das Jahr 2026 sind:

Wie kann man das Freischießen beschreiben?

Kurz gesagt: Das Freischießen kann man nicht beschreiben, man muss es erleben.

Buntes Feuerwerk erleuchtet den Nachthimmel über dem Peiner Schützenplatz, während zahlreiche Besucher das Freischießen zwischen Fahrgeschäften und Festzeltatmosphäre genießen.

Stadtführung zum Peiner Freischießen

Wer tiefer in die Traditionen des Peiner Freischießens sowie Hintergründe und Bräuche eintauchen möchte, sollte die Stadtführung „Einstimmung auf das Peiner Freischießen“ nicht verpassen. Die Führung findet am Mittwoch, 1. Juli 2026, um 15.30 Uhr statt und bietet die Gelegenheit, kurz vor Beginn der „fünften Jahreszeit“ Geschichte, Brauchtum und besondere Geschichten rund um das Peiner Freischießen kennenzulernen. Die Teilnahme kostet 13,50 Euro für Erwachsene. Kinder bis 12 Jahre nehmen kostenfrei teil, für Kinder ab 12 Jahren beträgt der Preis 2 Euro. Tickets können online oder telefonisch unter Tel. 05171-545556 gebucht sowie persönlich in der Tourist-Information an der Breiten Straße 58 erworben werden. Auch Führungen zum Wunschtermin sind möglich.

Was wäre das Freischießen ohne schmuckvolle Accessoires in Grün und Rot? Im PeineShop in der Tourist-Information sind Souvenirs rund um das Peiner Freischießen wie grün-rote Fähnchen oder das Peiner Freischießen-Quartett erhältlich – mit unterhaltsamen Fakten rund um Korporationen und Persönlichkeiten gut als Geschenk oder eine unterhaltsame Spielrunde im Festzelt geeignet. Das Kartenspiel ist ein Projekt des Agora Club Tangent 48 Peine, unterstützt von der Bürgerstiftung Peine. Das Quartett ist für fünf Euro erhältlich, der Erlös wird zu 100 Prozent gespendet. 

Das Programm des 429. Peiner Freischießens

Freitag, 3. Juli 2026

Samstag, 4. Juli 2026

Sonntag, 5. Juli 2026

Zahlreiche Menschen verfolgen den traditionellen Fackelumzug durch die festlich geschmückte Peiner Innenstadt.

Montag, 6. Juli 2026

Dienstag, 7. Juli 2026

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.


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